Von deutschen Illusionen


susanne kablitz

Befragt man die deutsche Bevölkerung, ob sie es gut und richtig findet, zwangsversichertes Mitglied in einer der zahlreichen staatlichen Versorgungssysteme, wie zum Beispiel der deutschen Rentenversicherung, zu sein, dann werden die wenigsten auch nur den geringsten Zweifel daran hegen, dass das von Bismarck 1889 eingeführte Versicherungssystem nur zu unserem Besten ist.

Zwar ist zuweilen von gewissen „Verbesserungsvorschlägen“ die Rede, aber im Großen und Ganzen sind die Menschen davon überzeugt, dass der staatliche Zwang durchaus seine sinnvolle Berechtigung hat. Dabei wurde bis ungefähr 1878 das Deutsche Reich recht liberal geführt, wenn auch hier und da zunächst leise Töne „vom Segen der Wohlfahrtsstaatlichkeit“ zu hören waren. Diese ersten sanften Töne wurden zunehmend lauter und fordernder bis Bismarck, der in jeder Form ein Mann „des Staates“ war, sich mit seinen Ideen von der Übertragung der Freiheiten des Einzelnen auf den Staat durchsetzen konnte.

Dabei ging es Bismarck primär nie um fürsorgliche Absichten, sondern…

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